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Atomares Feuer brennt wieder – Doel 3 am Netz – Start von Tihange 2 für Mittwoch geplant – Widerstand geht auf die Strasse – Experten warnen

Am 3. Juni wurde der Atomreaktor Doel 3 bei Antwerpen wieder angeschaltet Tihange 2 soll am Mittwoch folgen, die beiden Reaktoren standen seit fast einem Jahr still, weil tausende Risse im Reaktordruckbehälter gefunden wurden. Trotz der im Abschlussbericht der belgischen Atomaufsicht (FANC) angemerkten Mängel wurde dieser Schritt vollzogen. Unabhängige Experten kommen zu einem kritischeren Urteil. „Man muss feststellen, dass ein Wieder­anfahren der beiden Reaktoren nach der im Abschlussbericht veröffentlichten Daten nicht zu verantworten ist“, sagt Dieter Majer, der ehemalige Leiter der Aufsicht über kerntechnische Einrichtungen in Deutschland. Die Anti-Atomkraftbewegung ruft zum Widerstand gegen diese unverantwortliche Entscheidung auf.

Im vergangenen Jahr wurden in den Reaktordruckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 tausende bis zu 2,4 cm große Risse gefunden. Am 17. Mai veröffentlichte die FANC nun ihren Abschlussbericht, in dem sie zu dem Schluss kommt, dass die beiden Reaktoren wieder angefahren werden können.

Zu den Analysen dieses Abschlussberichts stellt Dieter Majer fest: „Die Befundermittlung ist nach wie vor defizitär“. Hiermit ist gemeint, dass die Herkunft der Risse nach wie vor nicht zweifelsfrei geklärt werden kann. Diese Herkunft ist jedoch Grundlage jeglicher weiterer Analysen. Darüber hinaus ist auch technisch nicht möglich, den gesamten Behälter auf Risse zu untersuchen.

Indirekt gibt sogar die FANC ernste Probleme zu, indem sie den Betreiber Electrabel anweist, Druck- und Temperaturbelastungen schon im Normalbetrieb zu vermindern. So muss beispielsweise der Reaktor langsamer hoch- und runtergefahren werden. Auch mussten Belastungsfälle vereinfacht (reduziert) werden. Offensichtlich waren diese Maßnahmen erforderlich, um den Sicherheitsnachweise überhaupt noch irgendwie erbringen zu können. Dieter Majer stellt dazu fest: „Diese Vereinfachung halte ich für nicht sachgerecht. Thermische Belastungen sind im Hinblick auf ihre Verteilung bei Transienten nicht vorhersehbar. Deshalb muss eine asymmetrische Temperaturverteilung angenommen werden. Transienten, bei denen eine erhöhte Temperatur mit Druckstößen verbunden sind, würden eine höhere Belastung ergeben.“

Zur unabhängigen Untersuchung der Risse hat das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie bei der belgischen Atomaufsicht detaillierte Informationen zu den Fehlstellen angefordert. Mit diesen Daten sollte ein unabhängiges Institut beauftragt werden, Sicherheitsanalysen durchzuführen. Diese Unterlagen wurden dem Bündnis explizit mit folgender Begründung verweigert: „Les devoirs de confidentialités des agents de l’AFCN et les exceptions aux règles générales de la transparence des instances publiques ne permettent pas pour plusieurs raisons de fournir les données de nature telle que demandée via vos questions 30 et 32.“ (Aus Gründen der Verpflichtung zur Geheimhaltung kann die FANC, entgegen der sonst üblichen Regeln zur Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit, die in Frage 30 und 32 angeforderten Unterlagen nicht zur Verfügung stellen.)
Für die Aachener stellt sich daher die Frage, ob dies Ausdruck der Sorge ist, unabhängige Experten könnten zu einem gänzlich anderen Urteil kommen. Oder sollten selbst der FANC diese Daten nicht vollständig vorliegen?

Am Samstag, den 8. Juni wird um 14 Uhr eine internationale Demonstration am Dreiländereck (Aachen/Vaals/Gemmenich) stattfinden. Das Aachener Bündnis gegen Atomenergie ruft gemeinsam mit belgischen und niederländischen Antiatomkraftgruppen alle Menschen, die sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden wollen, auf sich zu beteiligen. Die Veranstalter organisieren damit vermutlich die erste Demonstration, die innerhalb von einer Stunde durch drei Länder führt.