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Belgische Atomaufsicht täuschte Öffentlichkeit im Fall der Risse in Doel 3 und Tihange 2 über Jahre

Heute meldete das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie (AAA), dass die Belgische Atomaufsicht FANC bereits spätestens seit Dezember 2012 im Besitz von Unterlagen ist, die eine Rissgröße von bis zu 6,9 cm dokumentieren. Die FANC selbst sprach aber damals immer nur von Rissgrößen bis maximal 2,5 cm.

Im Januar 2013 veröffentlichte die FANC Unterlagen und teilte dort für Doel 3 maximale Risslängen von 20 bis 25 mm (2) und für Tihange eine maximale Risslänge von 24 mm (3) mit. Wohlwissend um die Täuschung (siehe Grafik), schränkte man die Informationen für Doel 3 mit dem Hinweis ein, dass einige sogar größer als 20 bis 25 mm sind. Was man jedoch verschwieg, war die maximale Rissgröße von 69 mm und dass es sich um hunderte Risse handelte die 20 bis 25 mm überschritten. Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis kommentiert dies wie folgt: ‚Bei Doel war es „nur“ eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit aber bei Tihange eine glatte Lüge!’

Bei einer erneuten Durchsicht der Unterlagen aus dem Jahr 2012 stieß das AAA auf eine Grafik die die maximale Rissgröße über den Querschnitt des Druckbehälters darstellt (senkrechte Achse stellt die Rissgröße dar, waagrechte Achse ist die Tiefe der Fundstellen im Metall) (1). Hier sind für Doel 3 eindeutig Rissgrößen von bis zu 69 mm und für Tihange von bis 39 mm sichtbar.

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Quelle: Electrabel

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Quelle: Electrabel

Dr. Ilse Tweer, renommierte Materialwissenschaftlerin und seit Jahren mit dem Fall befasst, ordnet die Relevanz der maximalen Rissgröße wie folgt ein: „Bei Bewertungen zur Sicherheit eines Reaktordruckbehälters müssen immer die schwächsten Stellen berücksichtigt werden und dazu gehören sicher die Bereiche mit den größten Fehlstellen. Insofern wurde durch die Formulierung der FANC nicht nur die Öffentlichkeit getäuscht, sondern auch die kritische Wissenschaftswelt daran gehindert, die Situation richtig zu bewerten.“

Auch wenn heute Rissgrößen von fast 18 cm bekannt sind, wirft diese Täuschung durch die FANC Frage auf: Wie zuverlässig sind die Informationen der FANC überhaupt? Was wird heut verschwiegen und beschönigt? In welcher Gefahr leben die Menschen in der Nähe dieser beiden Reaktoren wirklich? Welche Konsequenzen zieht die Politik aus dieser bewussten Täuschung?

(1) 05.12.2012 – Electrabel – Safety case report: Tihange 2 – Reactor Pressure Vessel Assessment, Seite 54 – http://fanc.fgov.be/GED/00000000/3300/3389.pdf
(2) 30.01.2013 – FANC – Doel 3 and Tihange 2 reactor pressure vessels: Provisional evaluation report, Seite 23: „…with some even exceeding 20-25 mm…“ – http://fanc.fgov.be/GED/00000000/3300/3391.pdf
30.01.2013 – FANC – Doel 3 and Tihange 2 reactor pressure vessels: Provisional evaluation report, Seite 24: „Regarding the flaw dimensions, flaws up to 24 mm large have been observed.“ – http://fanc.fgov.be/GED/00000000/3300/3391.pdf