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Noch mehr Risse in Doel und Tihange!

Im Fall der Risse in den Reaktordruckbehältern (RDB) der beiden AKWs Doel 3 und Tihange 2 wurden für Ende Herbst von der belgischen Atomaufsicht FANC Ergebnisse angekündigt. Diese Ergebnisse wurden nun in letzter Minute in einem Report veröffentlicht (http://fanc.fgov.be/GED/00000000/3700/3751.pdf). Der gesteckte Zeitrahmen war vermutlich nicht ausreichend, denn es wurden nicht alle notwendigen Nachweise durch den AKW-Betreiber Electrabel erbracht.

Das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie begleitet den Skandal um die Risse nun schon mehrere Jahre. Gemeinsam mit Experten wurde auch die jetzt vorliegende Veröffentlichung analysiert. Es handelt sich um einen Zwischenbericht der FANC, der noch keine abschließende Entscheidung über den Weiterbetrieb beinhaltet.

Der Bericht beginnt mit einer chronologischen Auflistung der Ereignisse und Untersuchungsmaßnahmen. Er befasst sich im Weiteren mit einzelnen Punkten, die Electrabel zum Wiederanfahren der Reaktoren nachweisen muss.

Bei den jetzigen Untersuchungen des RDBs wurde unter anderem ein moderneres Ultraschallverfahren verwendet. Zusätzlich zu den schon bekannten tausenden Rissen wurden nun weitere gefunden. Leider verschweigt die Atomaufsicht sowohl die genaue Anzahl, Größe und Position dieser neuen Funde.

Der Fund dieser neuen Risse wirft die brisante Frage auf, ob diese vielleicht erst seit der letzten Untersuchung NEU enstanden sein könnten. Falls ja würde das nämlich bedeuten, dass immer noch dynamisch Veränderungen der Metallstruktur im RDB stattfinden. Und solche dynamischen Veränderungen im Metall eines RDBs sind aus Sicht der Materialwissenschaftler der Worst-case für ein AKW. Müßten solche dynamischen Prozess im RDB eingeräumt werden, würde dies das definitive, sofortige und endgültige Aus für beide Reaktoren bedeuten.

Die FANC behauptet, das dadurch widerlegt zu haben, dass bei einem weiteren Utraschalltest – jetzt wieder mit den ALTEN Verfahren – nur die geringe Anzahl Risse gefunden worden seien. Das ist alle sehr schwer nachzuvollziehen, solangen FANC keine Details zu den neu gefunden Rissen veröffentlich.

Grundsätzlich kann diese Art von Rissen zu einem Super-GAU führen. Auch die FANC betont, dass es sich um ein ernstes und sehr  komplexes Problem handelt.

Electrabel hat Methoden präsentiert, die den „sicheren“ Betrieb eines Reaktors mit Rissen nachweisen sollen. Um dies zu bewerten, hat die FANC eine internationale Expertengruppe einberufen. Diese Gruppe resümiert, dass die vorgelegten Methoden nicht ausgereift genug sind.  Zur Zeit leistet die Expertengruppe dem Betreiber Hilfestellung bei der Fortführung seiner Arbeiten. Abschließend bestätigt auch die FANC „… that the methodology proposed by Electrabel for the safety case on the structural integrity of both reactors is not yet mature enough …“

Das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie kritisiert, dass der vorliegende Report unvollständig ist.

So vergisst die FANC zu erwähnen, dass bereits im Jahr 1979 Risse in beiden Reaktoren gemeldet wurden.

In den bisherigen Veröffentlichungen wurden die verwendeten Proben immer als repräsentativ bewertet. Erstaunlicherweise wird nach den aktuellen nicht genehmen Tests plötzlich die Repräsentativität in Frage gestellt. Warum das erfolgt und ob eine Strategie damit verfolgt wird, ist unklar.

Im Reaktor gibt es auch Bereiche, die nicht mit Ultraschall untersucht werden können.  Electrabel musste nachweisen, dass in diesen Regionen keine relevanten Risse vorhanden sind. Laut FANC wurde dieser Nachweis erbracht. Eine Erläuterung wie dies möglich war, bleibt die FANC jedoch schuldig.