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Offener Brief an Emmanuel Macron

Das Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie hat einen offenen Brief an den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron geschickt, der auszugsweise in beiden Aachener Lokalzeitungen abgedruckt wurde. Macron ist kein guter Karlspreisträger, weil Frankreich Anteilseigner beim Betreiber der belgischen Meiler ist.

Offener Brief an Herrn Präsident Emmanuel Macron, Karlspreisträger 2018
als Staatsoberhaupt des französischen Staates größter Einzelaktionär der Atomkraftwerke Tihange/Doel, jener Atommeiler, welche die deutsch-belgisch-niederländische Region und Gesamteuropa gefährden.

Sehr geehrter Herr Präsident Macron,

Ihnen soll am 10. Mai 2018 in Aachen der Karlspreis verliehen werden.

Unterdessen sorgt sich die Aachener Bevölkerung um die Lebensgefahr, die von den nahe gelegenen maroden Atommeilern Tihange und Doel ausgeht und versorgt sich in ihrer Hilflosigkeit mit Jodtabletten, die vor radioaktiver Kontamination allerdings nicht schützen.

Diese Atomreaktoren mit den teilweise rissigen Reaktordruckbehältern stellen ein permanentes, stets zunehmendes Sicherheitsrisiko dar, das bekanntlich nicht mit Jodtabletten zu kompensieren ist. Insbesondere die Meiler von Tihange, die nur rund 60 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernt liegen, weisen gravierende bauliche Mängel auf und müssen
immer wieder wegen Störfällen heruntergefahren werden. Obwohl diese Atomkraftwerke überaltert sind, wird deren Laufzeit absurderweise weiterhin verlängert.

Mittlerweile wurde bekannt, dass Sie, Herr Präsident Macron, als Vertreter des französischen Staates der mit Abstand größte Einzelaktionär dieser überalterten Risiko-AKWs in Tihange und Doel sind. Der französische Staat ist sogar über zwei Wege Eigentümer der Tihange-Reaktoren: einmal über eine etwa 25%-Beteiligung des französischen Staates an Engie SA und ebenso über die Beteiligung der EDF an Tihange.

Verantwortung für Europa beinhaltet in diesem Kontext unbedingt und vorrangig die Sicherheit vor atomarer Verseuchung, die bekanntlich nicht vor nationalen Grenzen haltmacht.

Herr Macron, wie stellen Sie sich konkret zu dieser Verantwortung?

Als Anteilseigner eines Viertels der belgischen Atomkraftwerke vermögen Sie wichtige Entscheidungen zu veranlassen. Die Entscheidung, die wir hierzu im Namen des Aktionsbündnisses gegen Atomenergie Aachen und im Interesse der euregionalen Bevölkerung von Ihnen fordern, kann nur lauten, die maroden Meiler von Tihange und Doel unverzüglich und endgültig stillzulegen!

Es kann nicht angehen, dass die Aachener den renommierten Karlspreis Ihnen, Herrn Macron, als einer Zentralfigur der europäischen Atompolitik verleihen, während ausgerechnet Sie mit Ihrer Beteiligung eben diese Bevölkerung einem inakzeptablen Sicherheitsrisiko aussetzen.

Eine Haltung, Millionen Menschen in der Euregio bezüglich Leben, Gesundheit, Lebensraum und Existenzgrundlage zu gefährden und die radioaktive Verseuchung der regionalen Bevölkerung in Kauf zu nehmen, ist gegen jegliche Interessen der Bevölkerung gerichtet. Diese Gesinnung verstößt gegen die Präambel des Euratomvertrages, wonach „Gefahren für das Leben und die Gesundheit der Völker auszuschließen“ sind. Dieser Verstoß darf keinesfalls durch den Karlspreis geehrt werden.

Abgesehen von der Gefährdung von Millionen Menschen kann es nicht im französischen oder europäischen Interesse sein, dass große und wichtige europäische Wirtschaftsregionen lahmgelegt werden könnten.

Wir erwarten von Ihnen als Staatspäsident von Frankreich, dass Sie Ihrer Verantwortung gegenüber Europa gerecht werden und das durch Gutachten belegte Risiko einer nuklearen Katastrophe durch Tihange 1, Tihange 2 und Doel 3 für die Euregio unverzüglich unterbinden.

Die Stadt Aachen, die im Verbund mit der gesamten Euregio nahezu geschlossen hinter dem Protest gegen Tihange steht und dies im Jahr 2017 in Form ihrer Teilnahme an einer neunzig Kilometer langen Menschenkette (!) gegen das Atomkraftwerk Tihange 1 zwischen Aachen, Maastricht und Tihange gezeigt hat, darf demnach Sie, Herrn Präsident Macron, nur im Falle der unmittelbaren Stilllegung der maroden Atommeiler zum Karlspreisträger machen.

Wir erwarten von Ihnen als französischem Staatspräsidenten und somit Hauptaktionär von Engie, dass Sie sich mit all Ihrer Macht für die sofortige Schließung von Tihange einsetzen.

In Erwartung Ihrer Antwort und einem Europa in Sicherheit
verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Stop Tihange Deutschland e.V.

Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie