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Rede von Jörg Schellenberg auf der Demonstration in Maastricht am 12. Januar 2013

Liebe Atomkraftgegner,

zu erst einmal möchte ich den Organisatoren danken, dass sie diese Veranstaltung ermöglicht haben. Besonders wichtig ist, dass wir diesen Protest gemeinsam grenzüberschreitend gestalten, egal ob Belgier, Niederländer, Luxemburger, Franzosen oder Deutsche. Wichtig ist, dass unser Protest nicht vor Grenzen, wegen Sprachbarrieren oder kulturellen Unterschieden halt macht.

Denn im Falle eines schweren Unfalls in Tihange wären wir alle betroffen.

Die Atomindustrie auf der anderen Seite hat schon immer gewusst, dass sie nur bestehen kann wenn sie international vernetzt ist.

Ein Beispiel ist der EURATOM -Vertrag aus dem Jahr 1957,
der noch immer in Kraft ist. EURATOM ist Bestandteil der Europäischen Verträge. EURATOM sichert der Atomindustrie Milliarden. EURATOM verpflichtet jedes europäische Land zur Förderung der Atomkraft.Ungeachtet, ob das Land selbst Atomkraft betreibt. Dabei besitzen nicht einmal die Hälfte der Länder der Europäischen Union Atomkraftwerke. Hier wird gegen die Belange der überwiegenden Mehrheit der Menschen Europas agiert!

Für die Atomindustrie existieren keine Grenzen, sie arbeiten, wenn es zu Ihrem Vorteil ist über Landesgrenzen hinweg.

Wie sieht es aber aus, wenn wir Bürger über Grenzen hinweg
Informationen fordern? Dann werden uns Auskünfte verweigert. Konkret heißt das – Uns als Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie
wurde ein Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht verweigert. Wären wir Belgier, hätte man mit uns gesprochen. Nachdem öffentlicher Druck ausgeübt wurde und wir die Aarhus Konvention ins Spiel brachten –
erst dann war man zumindest bereit unsere Fragen schriftlich zu beantworten. Die Aarhus Konvention garantiert einen diskriminierungsfreien Zugang zu umweltrelevanten Informationen. Allerdings bestritt die belgische Atomaufsicht, dass sie im Falle von Tihange anwendbar ist.

Aus Sicht der belgischen Atomaufsicht stellt nämlich Tihange 2 keine Umweltgefährdung dar. Begründet wurde dies mit folgendem:

  1. Tihange 2 geht erst wieder ans Netz wenn eine Gefährdung der Umwelt ausgeschlossen ist.
  2. Der Reaktor ist zur Zeit entladen, die Brennstäbe befinden sich in den Abklingbecken. Der Reaktor stellt somit laut Atomaufsicht zur Zeit auch keine Umweltgefährdung dar.

Was für ein Hohn ist diese Antwort!

Ist der belgischen Atomaufsicht – Fukushima – überhaupt ein Begriff? Weiss sie nicht, was in Reaktor 4 passiert ist? Reaktor 4 war zum Zeitpunkt der Katastrophe auch nicht in Betrieb. Zum Zeitpunkt der Katastrophe waren in Fukushima die Brennelemente nicht im Reaktor sondern im Abklingbecken. Dies ist die gleiche Situation wie heute in Tihange 2.

Und wir wissen doch genau was in Fukushima passiert ist.

Mittlerweile haben wir der belgischen Atomaufsicht rd. 40 Fragen gestellt. Antworten haben wir nur auf einen Bruchteil dieser Fragen erhalten. Meist waren die Antworten so allgemein gehalten, dass der Informationsgehalt gleich Null war. Weshalb hält die belgische Atomaufsicht Informationen zurück und gibt nur lapidare Antworten?

Das ist ein SKANDAL!!!

Es muss endlich Schluss sein mit einem Europa in dem die Interessen der Atomindustrie über denen von uns Bürgen stehen!

Europa sind wir genau die die wir jetzt hier stehen!

Und deshalb an alle die inständige Bitte – kommt auch am 10. März zum Fukushima Jahrestag zur Demonstration direkt ans AKW Tihange und zeigt, dass wir keine Atomkraft wollen.

Nicht in Tihange,
nicht in Europa
und sonst wo!

STOP Atomkraft!
STOP Tihange!